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Mathias Behrens-Egge in DER GEMEINDERAT 4/2019 zur Besucherlenkung in Städten

(c) BTE

Der Gemeinderat – das unabhängige Magazin für die kommunale Praxis widmet sich in der Ausgabe April 2019 dem Thema Kommunale Infrastruktur. Das Heft enthält einen Beitrag von Mathias Behrens-Egge im Kapitel „Analog plus digital“ (Seite 24-26).

Hier die Antworten von Mathias Behrens-Egge auf Fragen aus der Praxis:

Welchen Nutzen bieten Leitsysteme in Städten und Gemeinden?

Im Idealfall setzen Leitsysteme das Stadtmarketing fort, d. h. sie nehmen die thematischen Schwerpunkte & Attraktionen auf und bieten den Nutzen der Besucherlenkung zu den POIs der Kommune. Gleichzeitig gibt ein gutes Leitsystem dem Gast Sicherheit und ist Teil von ServiceQualität.

Was sind die wichtigsten Merkmale eines guten Fußgängerleitsystems?

Am wichtigsten ist die Funktionalität. Zentrales Qualitätskriterium ist die Kontinuität, d. h. die konsequente Beschilderung von Zielen bis zum Ende. Leider wird diese wichtige Grundregel regelmäßig nicht eingehalten.

Hilfreich ist die Nutzung bestehender (bereits vom Gast gelernter) Systeme. Es sollte sich nicht jede Kommune durch ein ganz besonderes System selbst verwirklichen.

Wichtig auch: Leitsysteme können nicht alles, sie können nicht alle Fragen beantworten. Die Lesbarkeit ist wichtig, Systeme sollten nicht überfrachtet werden. Aufgabe ist es, eine jeweils angemessene Balance zu finden. Berlin braucht eine andere Redaktion als eine Mittelstadt.

Wir empfehlen die Einbindung von Übersichtskarten auf Infotafeln an ausgewählten Standorten und die Ausgabe von Stadtplänen (Abreißbögen, DIN A4 in Touristinfos und Gastbetrieben).

Hat die „gute alte“ analoge Wegweisung mit (Blech-)Schild in Zeiten der Fußgänger-Navi-Apps und digitaler städtischer Info-Angebote eine Zukunft?

BTE hat aktuell Wanderer zu ihrer Präferenz bei Leitsystemen befragt: rd. 75% bevorzugen aktuell Schilder, 65% erwarten dies auch für die Zukunft. Gelichzeitig wächst das Interesse an digitalen Routendiensten. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt der adfc bei seinen Befragungen der Radfahrer. Diese Ergebnisse lassen sich sicher nicht 1:1 auf die Städte übertragen, die Tendenz ist jedoch deutlich. Wenn Ziele sauber ausgeschildert sind, ist das ein Service für den Gast, der auch zukünftig gewollt ist.

Wir empfehlen ein Basis-System. Dies muss nicht alles können. Digitale Angebote sollten das System ergänzen, z. B.  um mehrsprachige Varianten, saisonale oder Themen-spezifische Angebote.

Welche grundlegenden Aspekte sollten Kommunen bei der Planung bzw. Beschaffung von Fußgängerleitsystemen beachten?

Fußgängerleitsysteme sollten integriert, als Teil der PR und Besucherinformation der Kommune verstanden werden. Die Gestaltung sollte zum Corporate Design der Kommune passen, die Themen-und Marketingschwerpunkte sollten sich wiederfinden. Beschilderung kann nicht alles, im Konzept sollte zwischen Lösungen per Beschilderung und weiteren Lösungen (z. B.  via App, Stadtplan, Führungen, …) unterschieden werden.

Beschilderung hält nicht ewig. Farbige, sonnenexponierte Medien werden idR nach max. 7 Jahren unansehnlich und müssen erneuert werden. Auch die Ziele und Attraktionen sowie die Leitpfade können sich ändern. Hinzu kommt Vandalismus. Die Kommune sollte Fußgängerleitsysteme als fortlaufendes Projekt auffassen, für das jährlich Mittel in der Größenordnung von 15% der Umsetzungskosten eingeplant werden sollten. Das System muss unbedingt gepflegt werden. Eine Wegweisung mit Fehlern oder Lücken ist fast schon schlimmer als gar keine!

Für die Ausschreibung empfehlen wir, keine technische Spezifikation vorzugeben, sondern Aufgaben auszuschreiben, um das Know-how der Hersteller zu nutzen.

Welche Trends bestimmen aktuell das Thema „Fußgängerleitsysteme“?

Ganz klar die digitale Ergänzung bzw. Verlängerung der Leitsysteme. Der Markt ist sehr dynamisch. Vieles, was gestern als Schlüsseltechnologie galt (wie QR Codes oder Beacons), hat sich nicht durchgesetzt. Wir haben daher Hemmungen, den Kommunen eine Investition in nicht etablierte Technologien zu empfehlen. Aktuell empfehlen wir die Einbindung in bestehende Apps der Destinationen bzw. Routingportale wie Komoot oder Outdooractive.

Wir empfehlen integrierte Systeme für den Langsamverkehr, also keine getrennten Beschilderungssysteme für Fußgänger und Radfahrer.