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GravelbikerInnen – eine neue Zielgruppe im Fahrradtourismus?

In den vergangenen Monaten durften wir die noch junge, durch die Hunsrück-Touristik und die Naheland-Touristik initiierte Bike-Region Hunsrück-Nahe bei der Erstellung eines Radtourismuskonzeptes begleiten. Neben den Zielgruppen der TourenradlerInnen, MountainbikerInnen und RennradfahrerInnen, wird sich die Bike-Region in der Zukunft ganz gezielt auch den GravelbikerInnen widmen. Perfektes Timing, denn erstmals greift auch die vorgestellte ADFC-Radreiseanalyse 2022 den Trend auf: Auf die Frage, welcher Fahrradtyp für die letzte Radreise genutzt wurden, setzten immerhin 5% der Befragten ihr Häkchen beim Gravelbike, was damit nach Trekking-Fahrrad (58%), Mountainbike (13%) und Stadt-/Cityrad (17%) den vierten Platz belegt.

Schon seit einigen Jahren ist in der Szene zu beobachten, dass die Zahl der „Graveler“ stetig steigt und – so unsere feste Überzeugung – auch im Tourismus mehr und mehr Beachtung finden wird. Das bestätigen auch die aktuellen Marktdaten des Zweirad-Industrie-Verband (ZIV), die zeigen, dass der Anteil der verkauften Räder in der Modellgruppe Rennrad/Gravel/Fitness von 3,8% in 2020 auf 5% in 2021 gestiegen ist. Grund genug, das Thema einmal näher unter die Lupe zu nehmen.

Kurz gesagt, vereinen Gravelbikes die Vorzüge von Mountainbikes, Trekkingrädern und Rennrädern, d.h. es sind geländegängige, sportliche, leichte Räder mit breiteren Reifen mit gutem Profil. Aber was wissen wir über ihre Fahrer? Laut einer GRAN FONDO-Leserumfrage aus dem Jahr 2020

  • … sind Gravelbiker durchschnittlich 44 Jahre alt;
  • … nutzen sie bevorzugt Schotter- und Waldwege, aber auch Straßen in gutem oder schlechten Zustand sowie Trails; .
  • … fahren die meisten Gravelbiker im Schnitt je Tour 30-50 km, durchaus aber auch bis zu 100 km  und scheuen dabei keine Höhenmeter;
  • … haben sie neben dem Biken großes Interesse an Kaffee, Reisen, Camping und „Vanlife“, gutem Wein und Bier, aber auch Wellness- und Yogaangeboten – verfolgen also einen gewissen Lifestyle;
  • … waren 53% der Gravelbiker in den 12 Monaten vor der Umfrage mit dem Rad auf Reisen, wobei sie im Schnitt 9 Tage lang unterwegs waren und dabei pro Tag 157 EUR ausgegeben haben.

Was heißt das nun für Radregionen, die sich dem Thema stärker widmen wollen?

  • Tatsächlich sind „Graveler“ wenig anspruchsvoll, was die Oberfläche der Routen angeht. Sie bevorzugen einen Mix aus unbefestigten Wegen, einfachen Trails und Asphalt in unterschiedlichster Qualität.
  • Abenteuer und Erlebnis stehen im Vordergrund. Und – das ist wichtig – das endet nicht mit Abstellen des Rades. Ein gutes, ergänzendes Angebot, d.h. ansprechende Unterkünfte oder auch Camping- oder Trekkingplätze, zeitgemäße gastronomische Angebote und ergänzende Angebote z.B. aus dem Wellness- oder Yogabereich werden gerne gesehen – gerne mit einem gewissen „Hipness-Faktor“.
  • Ausgewählte, vorhandene Wege gezielt als Routen für Graveler zusammenzustellen und zu vermarkten, sind ein wichtiger erster Schritt und tragen auch zur Besucherlenkung und damit Konfliktvermeidung bei. Die Abstimmung mit Forst, Naturschutz etc. ist dabei selbstverständlich. Übrigens: Eine Beschilderung wird zwar gerne genutzt, Gravelbiker sind es aber auch gewohnt, sich mit GPS zu navigieren.
  • Kommunikation und Ansprache spielen eine wichtige Rolle. Empfehlenswert ist es, Gravelbiker mit entsprechendem Content zu inspirieren und dabei gerne auch mit Experten aus der Community zusammen zu arbeiten.

Wenn auch Sie Interesse an dem Thema bekommen haben oder Ihre Region auf die neue Zielgruppe einstimmen wollen, sind wir gerne der Partner an Ihrer Seite! 

Wer mehr Informationen sucht, dem legen wir das Komoot Partner Webinar zum Thema Gravel Bike aus dem Jahr 2021 ans Herz.

© Viktor Bystrov/Unsplash