Viele Destinationen suchen nach Wegen, Gästen mehr Authentizität zu bieten. Im Hochschwarzwald wird daraus ein erstaunlich einfaches Konzept: „Schellsch halt mol“ (alemannisch für „klingel doch mal“). Überall dort, wo ein entsprechendes Schild hängt, sind Gäste ausdrücklich dazu eingeladen, bei Einheimischen zu klingeln oder anzuklopfen und sich persönliche Empfehlungen und Lieblingsplätze aus erster Hand abzuholen.
Die Idee dahinter ist so einfach wie konsequent: Wer den Hochschwarzwald besucht, soll nicht nur konsumieren, sondern ins Gespräch kommen. Mittlerweile findet sich die Einladung zum Klingeln bei über 60 Menschen im Hochschwarzwald direkt an der Haustür. Initiiert wurde die Aktion vom Unternehmer Jochen Faller aus Breitnau, der bewusst die Distanz zwischen Urlauberinnen und Urlaubern und der lokalen Bevölkerung abbauen möchte. Ziel sind echte Begegnungen, die im Gedächtnis bleiben, und Tipps, die man in keinem Prospekt findet.
Neben dem zwischenmenschlichen Mehrwert hat „Schellsch halt mol“ auch eine klare touristische Funktion. Die Empfehlungen der Einheimischen führen Gäste häufig zu weniger bekannten Plätzen, in kleinere Ortsteile oder auf Wege abseits der klassischen Hotspots. Damit entsteht ein zusätzlicher Effekt: Gästeströme können breiter verteilt werden, ohne dass Lenkung als Verbot oder Einschränkung kommuniziert wird.
Was macht das zum Best Practice?
„Schellsch halt mol“ ermöglicht Begegnung auf niederschwellige Art. Es braucht keine App, keine Buchung und keine Inszenierung, sondern lediglich ein sichtbares Signal, dass ein Austausch willkommen ist. Genau dadurch entsteht hier Storytelling nicht als Kampagne, sondern im echten Kontakt: durch Menschen, ihre Geschichten und ihre persönlichen Lieblingsorte. Gleichzeitig wird die touristische Information um eine Form ergänzt, die nicht nur Orientierung bietet, sondern Aufenthalte bereichert und zur Entzerrung von Gästeströmen beitragen kann.