Webinar 4: Entwicklung wettbewerbsfähiger lokaler DMO
Wie können mehrere kommunale Tourismusorganisationen, Touristinformationen und lokale Zuständigkeiten zu einer gemeinsamen, leistungsfähigen, interkommunalen Organisationsstruktur zusammengeführt werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt des vierten und letzten Webinars unserer Reihe „Change von DMO kann gelingen, aber wie?“.
Zu Gast war Astrid Joraschky, Geschäftsführerin der Rureifel Tourismus GmbH. Sie gab praxisnahe Einblicke in den Gründungs- und Veränderungsprozess der Rureifel Tourismus GmbH, die 2024 aus mehreren touristischen Organisationen hervorgegangen ist.
Die Ausgangslage war herausfordernd: In der Region bestanden mehrere touristische Organisationen mit unterschiedlichen Zuständigkeiten, begrenzten Budgets, eigenen Strukturen, Logos, Websites und Kommunikationswegen. Aus Sicht von Gästen, Betrieben und Partnern war nicht immer klar erkennbar, wer wofür zuständig ist. Zugleich wurden viele Aufgaben parallel bearbeitet, während Ressourcen für strategische Entwicklung, professionelle Vermarktung, Datenmanagement oder Betriebsberatung fehlten.
Deutlich wurde, der Veränderungsprozess war stark intrinsisch motiviert. Nicht äußerer Druck, sondern die Erfahrung, mit den bestehenden Strukturen kaum noch gestaltend arbeiten zu können, war ein zentraler Auslöser für die Veränderung. Hinzu kam ein günstiges Momentum durch positive Signale auf Seiten der politischen Entscheidungsträger. Aus ersten Gesprächen entstand ein Lenkungskreis, der den Prozess über mehrere Jahre kontinuierlich begleitet und wichtige Weichenstellungen vorbereitet hat.
Heute bündelt die Rureifel Tourismus GmbH zentrale touristische Aufgaben von 10 Kommunen und anteilig zwei Landkreisen unter einem Dach. Dazu gehören u. a. Marketing, Gästeinformation, Buchungsstelle, Datenmanagement, Betriebsberatung und das Management von zehn Touristinformationen. Zugleich wurde eine neue gemeinsame Marke entwickelt: „Rureifel – wild auf Natur“.
Besonders deutlich wurde im Austausch, dass DMO-Change auf lokaler Ebene weit mehr ist als eine formale Neugründung. Entscheidend sind gemeinsame Entscheidungswege, Vertrauen, ein tragfähiges Finanzierungsmodell, rechtliche und steuerliche Beratung, eine klare Aufgabenabgrenzung und die frühe Einbindung der Mitarbeitenden. Gerade letzteres wurde als zentraler Erfolgsfaktor beschrieben. Ein derartig realisierter Veränderungsprozess funktioniert nur, wenn die Menschen darunter den Weg mitgehen und sich mit der neuen Organisation identifizieren.
Zentrale Erfolgsfaktoren:
- Mut und Überzeugung: Veränderung braucht Menschen, die den Prozess tragen und auch bei Gegenwind vertreten.
- Starke Unterstützer in Politik und Verwaltung: Rückhalt in den Entscheidungsgremien erleichtert Kommunikation und Beschlussfassungen.
- Verbindliche Steuerung: Ein kontinuierlich arbeitender Lenkungskreis schafft Orientierung, Verlässlichkeit und Gemeinschaftsgefühl.
- Mitarbeitende früh einbinden: Aufgaben, Stärken und Perspektiven sollten frühzeitig geklärt werden.
- Fachliche externe Begleitung nutzen: Organisationsmodell, Finanzierung, Personalentwicklung, Steuerfragen und Gesellschaftsrecht müssen sauber vorbereitet werden.
- Konsequent neu denken: Gemeinsame Marke, gebündelte Kanäle, einheitliche IT und klare Zuständigkeiten schaffen Professionalität nach innen und außen.
Gibt es schon Erfolge – ja! Die Region tritt geschlossener auf, bündelt ihre Ausspielungskanäle, arbeitet mit einheitlicher IT, kann Fachwissen in Personen stärker spezialisieren und wird gegenüber Partnern, DMO- und Landesebene wie benachbarten Regionen (auch im benachbarten Ausland) sichtbarer. Gleichzeitig wurde deutlich, dass der Prozess nach der Gründung nicht abgeschlossen ist. Interne Abläufe, Aufgabenverteilungen und Routinen müssen weiter zusammengeführt, angepasst und optimiert werden.
Wir danken Astrid Joraschky herzlich für die offenen und praxisnahen Einblicke sowie allen Teilnehmenden für ihr Interesse, ihre Fragen und die Diskussion.
Wer das vierte Webinar verpasst hat oder einzelne Inhalte noch einmal nachhören möchte, kann die Aufzeichnung des Webinars hier abrufen:
Mit diesem vierten Teil findet unsere Webinarreihe „Change von DMO kann gelingen, aber wie?“ zunächst ihren Abschluss. Wir nehmen viele spannende Einblicke und Lernerfahrungen aus den vier Praxisbeispielen mit und werden die zentralen Erkenntnisse aus der Reihe noch einmal in einem zusammenfassenden Papier aufgreifen.
Zu den Aufzeichnungen der anderen Webinare der Reihe: Hier entlang.
Ansprechpartner: Dr. Alexander Schuler